Quotenmänner mit Bestnoten? Gender-Fairness? Das Neue Denken gibt zu denken…


KONGRESS-NACHLESE | Spiraldynamik® Kongress 2018 – viele positive Stimmen und ein paar kritische Anregungen. Die statistischen Auswertungen haben ein paar hochinteressante Zusammenhänge ans Licht gebracht – Nachlese und Ausblick…

Den Spiraldynamik® Kongress gibt es schon lange, immer wieder spannende Themen und gute Stimmung. Und dennoch: fast nur Männer auf der Bühne. Im Jahr 2016 war es ganz krass: keine einzige Referentin zum Thema «Alternativen – geht doch!». Der Auftrag damals war klar: Beim nächsten Kongress wollen wir endlich mehr Referentinnen auf der Bühne sehen. Gesagt… getan! Hier die vielleicht interessanteste Kongressnachlese seit der Erfindung der Spiraldynamik®…

(K)ein klares Ja, Nein – oder doch ein definitives Vielleicht?!
Um es gleich vorweg zu nehmen: Wir haben es geschafft! Am 10. November 2018 standen zehn Referentinnen und zwei Quotenmänner auf der Bühne. Um ehrlich zu sein, es war nicht einfach. Es gab zu Beginn viele Ausweichmanöver: „Ja, sehr interessant, melden Sie sich doch bitte in einem halben Jahr wieder…“ (Anmerkung: 6 Monaten später war es dann zu spät). „Wissen Sie, ich bin nicht so ein Bühnenmensch…“ (Anmerkung: Hat dann dank glücklicher Umstände und konkreter Unterstützung trotzdem geklappt). „Geben Sie mir doch etwas Zeit zum Überlegen…“ (Anmerkung: wir warten zum Teil heute noch auf eine Antwort). Solche Vielleicht- und Eventual-Antworten sind wir von männlichen Referenten nicht gewohnt – da kommt meist innert 48 Stunden ein klares Ja oder Nein.

Quotenmänner mit Bestnoten
Jetzt stehen also 10 Frauen und 2 Männer auf der Bühne. Das Thema „MEIN LEBEN – authentisch, spannend und erfüllt“. Jede und jeder hat auf ihre oder seine Art die 750 Teilnehmerinnen und Teilnehmer inspiriert. Es ging um Körpersprache, Authentizität, Intimität, Berufung, Beziehungen, Krisenmanagement, Sinnfindung und Selbstführung. Bereits 48 Stunden später lagen Hunderte von elektronische Feedbacks ausgewertet vor uns. Das überraschende Ergebnis: Die beiden Quotenmänner haben am besten abgeschnitten. Wie bitte? Wie geht denn das? Frauen wünschen sich mehr Frauen auf der Bühne. Und dann geben dieselben Frauen den Quotenmännern die besseren Noten? Um es gleich klarzustellen: Es gibt keinen objektiven Grund für das Bewertungsgefälle – die weiblichen Speakers waren in jeder Hinsicht (Kompetenz, Charisma, Botschaft) auf Augenhöhe mit den männlichen Kollegen.

Das rechte Hirn tickt anders
Es gibt eine andere, einfache und plausible Erklärung für das Phänomen. Neurowissenschaftlich würde man sagen, die Vorträge der Frauen waren rechts-hemisphärischer. Ja genau – das war der Unterschied! Weniger isolierte Fakten, mehr vernetzte Zusammenhänge. Während die linke Hirnhälfte mit Zahlen, Fakten, Logik, Konsequenz und Actionplan auftrumpft, spürt die rechte Hirnhälfte intuitive Zusammenhänge auf, zeigt auch mal Gefühl auf der Bühne, ist persönlich engagiert und macht dem Publikum Beziehungsangebote.
Die Mehrzahl der TeilnehmerInnen hatte vermutlich die vor allem die linke Hirnhälfte auf Empfang gestellt. Statt der gewohnten Facts & Figures – wie man es von einem Fachkongress erwartet – gab es plötzlich einem Mix von harten Fakten und weichen Faktoren, von kühler Ratio und warmer Emotio. Ungewöhnlich – aber durchaus spannend.

Jetzt das gleiche noch einmal – diesmal…
Ein Arztkollege hat mir beim Apéro riche erklärt, er hätte nach den ersten zwei Vorträgen das Gefühl, im falschen Film gelandet zu sein. Der Zufall wollte es, dass just in diesem Moment eine Chefredakteurin vorbei kam. Ich habe mich spontan entschlossen, ein kleines Experiment zu wagen: „Hier Dr. X aus Y., dort Chefredakteurin Z. der Zeitschrift A.“ – so lautete meine Standard-Vorstellung von Herrn X und Frau Z. Standard-Vorstellung für das linke Gehirn, versteht sich. Dann fügte ich hinzu: „Jetzt das gleiche noch einmal – diesmal für die rechte Hirnhälfte! Ich hielt einen kleinen Moment inne, sagte dass beide mir liebe Freunde seien und hielt einen Moment Augenkontakt...“ Plötzlich zeigte sich eine ganz andere Realität – persönlicher, nahbarer, menschlicher. In diesem Moment wurde mir klar: Wenn der Kongress gendermässig ausgeglichener sein soll, reicht es nicht, mehr Frauen «auf Sendung» zu haben, es müssen beim Empfänger auch rechte und linke Hirnhälfte aktiviert sein. 

Kongress als Hemisphären-Synchronisationstraining?
Ich weiss noch nicht genau, was diese Erkenntnis für die Zukunft des Spiraldynamik® Kongress in zwei Jahren bedeutet? Vielleicht zwei Fachreferate zum gleichen Thema – beide auf Top-Niveau – das eine mehr links- und das andere mehr rechts-hemisphärisch? So gesehen würde der Kongress die Möglichkeit bieten, linke und rechte Hirnhälfte in Echtzeit abzugleichen. Das wäre ein lohnenswertes Ziel – und theoretisch mittels elektrischer Hirnströme auch messbar.
Eines steht fest: Die heutige Welt wird durch die Werte der linken Hirnhälfte dominiert – Logik, Handlung und Fokus. Wenn der Mensch und damit die Welt zu mehr Balance finden will, bedarf es einer Aufwertung der rechts-hemisphärischen Werte wie Intuition, Präsenz und Vernetzung. Dies gilt für Mann und Frau – Gender unabhängig. Biologisch gesehen haben Männer wie Frauen eine linke und eine rechte Hirnhälfte. So gesehen findet die Aufwertung von «Intuition, Präsenz und Vernetzung» in jedem Menschen einzeln statt. Der nächste Kongress als Hemisphären-Synchronisationstraining? Ein interessanter Gedanke. Wir bleiben dran…

Diashow: 2:51 Min.
Fotos von Anita Troller und Dr. med. Wolfgang Wilde

Christian Larsen & Kongress Team
1. Dez. 2018