Viel Wind unter den Flügeln!

Spiraldynamik® Begründer: Christian Larsen, Jolande Deswarte, Christian Heel - Jubilaeumskongress 2012

20 jahre spiraldynamik | Ein Gespräch mit Christian Larsen über die Zukunft der Spiraldynamik®.

Wir beenden unsere Serie zum 20-jährigen Jubiläum der Spiraldynamik® mit einem Ausblick. Im Gespräch mit Christian Larsen wollen wir herausfinden, von welchen Visionen das Unternehmen und die Idee "Spiraldynamik" im kommenden Jahrzehnt geführt werden sollen. Vision ist immer ein kühnes Wort. Es steht für den Entwurf einer erwünschten Wirklichkeit. Das in der Zukunft Geschaute wird zum Anker für alles, was in den kommenden Jahren Gegenwart werden soll. Eine Vision ist also wie ein starker Gummizug, der Menschen und Institutionen aus der Gegenwart heraus in die Zukunft zieht: zum Ziel.

Christian Larsen, bevor wir auf die visionäre Kraft der "Spiraldynamik" und auf die Zukunftsziele zu sprechen kommen, ein Wort zur jüngsten Vergangenheit: Wie haben Sie den Jubiläumskongress 2012 erlebt?
Ich selbst bin noch stets beeindruckt (lacht). Der Kongress war wirklich das Highlight unseres Jubiläumsjahres. Das zeigen die zahlreichen sehr inspirierenden Bestnoten-Feedbacks von Ärzten und Verlegern, von Physiotherapeutinnen und vielen anderen Bewegungsmenschen. Ich danke an dieser Stelle nochmals allen, die zu diesem Erfolg beigetragen haben.

Was mir gefallen hat: Der Kongress zeigte die breite und spannende Vernetzung der Spiraldynamik sowohl mit den Wissenschaften als auch mit der Lebenswelt. Er war also auch für Nicht-Physiotherapeuten ein intellektueller und artistischer Genuss.
Ja, das war unser Ziel. Wir decken mit der "Spiraldynamik" einen Themenhorizont ab, den ich sonst nicht kenne: Bewegung, Training, Bewegungsmedizin, Ernährung, neue Forschungsmethoden, Informationsmedizin … Wir haben uns nicht nur mit Details beschäftigt; wir haben die Vogelperspektive auf das Wesentliche erlebt. Wie für die Zuhörer war das auch für mich sehr inspirierend. Und das gibt auch wieder Lust und Mumm, weiterzumachen. Denn der Aufwand ist natürlich jedes Mal gigantisch und braucht viel persönliches Engagement.

Einer der Referenten, Manfred Manser, ein profunder Kenner der Gesundheitsindustrie, forderte in seinem Referat eine Instanz zur Beurteilung der Qualität und des Preis-/Leistungsverhältnisses von medizinischen und therapeutischen Angeboten. Als Kriterien nannte er die Formel WZW: Wirksamkeit, Zweckmässigkeit, Wirtschaftlichkeit. Wünschte sich das Christian Larsen auch?
Ja. Wenn das die tatsächlichen und nicht nur die proklamierten Kriterien wären, dann wäre die Spiraldynamik schon längst von den Kassen anerkannt. In diesem Zusammenhang ist etwas anderes sehr interessant: Die Schweizerische Akademie der medizinischen Wissenschaften SAMW hat erst kürzlich ein Positionspapier zum Thema «Nachhaltige Medizin» publiziert, mit zum Teil brisanten Aussagen zur Wirksamkeit konventioneller Angebote – und auch zu den heute vorherrschenden Glaubenssätzen. Aus wissenschaftlicher und unternehmerischer Sicht macht es mich stolz, dass die Spiraldynamik in diesem Horizont jetzt schon so ausgerichtet ist, wie die Wissenschaftler es für die Zukunft fordern: Patientenzentriert, auf Eigenverantwortung bedacht, trainings- und alltagsorientiert, inter- und transdisziplinär.

Die "Spiraldynamik" also ein Unternehmen aus der Zukunft?
Kurz und trocken: Ja. Unsere Gegenwart ist in vielem schon das, was von der Zunft als Zukunft propagiert wird. Und trotzdem ist es mir wichtig, dass die "Spiraldynamik" ein von bodenständigen Visionen inspiriertes Unternehmen bleibt – gerade unter zunehmend schwierigen Rahmenbedingungen wie Ressourcenknappheit und Fachkräftemangel bei den Gesundheitsberufen. Wir dürfen eines nicht vergessen: Das Gesundheitswesen trägt nur 15% zur Gesundheit der Menschen bei. Den grössten Anteil leistet mit 50% unser Lebensstil. Das Positionspapier der SAMW hat mir dreierlei gespiegelt:

1. Wir haben ein Superteam und ein Superkonzept - und das bedeutet für mich, dass wir auch an den 50% Lebensstil «herumschrauben» können. Denn "Spiraldynamik" kann man nur machen, wenn man etwas verändern will im Leben. Ich habe das Gefühl, wir haben hier einen richtig guten Hebel.

2. Der Nutzen medizinischer Eingriffe wird oft überbewertet. Die SAMW propagiert hier die «wise choices». Angesichts begrenzter finanzieller Ressourcen kommt es auf die intelligente Abwägung von Nutzen und Kosten an. Das haben wir bereits in der Vergangenheit so gehandhabt. Dazu kommt die gemeinsame Entscheidungsfindung mit dem Patienten: Das machen wir auch bereits seit bald 20 Jahren!

3. Und dann kommt da noch eine ganz brisante Aussage: Medizinische und therapeutische Leistungen sollen dorthin verlagert werden, wo sie von der Person mit dem tiefst möglichen Ausbildungsniveau kompetent erbracht werden können. Warum also teure und hochausgebildete Spezialisten wie unsere Physiotherapeuten nehmen, wenn der Wellness Trainer das auch kann? Aber angesichts der Tatsache, dass wir bereits interdisziplinär arbeiten  – mit Ärzten und Physiotherapeuten und Wellness Trainern – können wir auch das gesamte Spektrum anbieten. Und vor allem: Wir haben keine Berührungsängste! Wir sind transdisziplinär aufgestellt. Jetzt geht es um die intelligente Aufteilung der Aufgaben. Keine Gräben, kein Krieg zwischen den Berufssparten.

Was heisst denn das für Ihr Unternehmen, wenn eine offizielle Instanz wie die Schweizerische Akademie der medizinischen Wissenschaften sagt, dass es in Zukunft das brauchen wird, was die "Spiraldynamik" bereits seit 10 Jahren macht? Können Sie jetzt die Hände in den Schoss legen?
Nein, nein, im Gegenteil. Es zeigt mir: Was wir machen, ist zukunftsfähig und passt wie ein Schlüssel ins Schloss. Wir sind bereit. Und daraus schliesse ich: Jetzt ist Erntezeit angesagt! Und das stimmt mich natürlich optimistisch. Natürlich müssen wir weiterhin engagiert und qualitativ hochwertig arbeiten. Natürlich sind wir nicht automatisch auf der Sonnenseite. Aber es bestärkt uns in unserer Vision! Die Chancen stehen gut, dass wir mehr Wind unter den Flügeln erhalten. Wir müssen dafür sorgen, dass die Möglichkeiten der funktionellen Orthopädie für Patienten bekannter und greifbarer werden. Das macht es dann auch für unsere Patienten viel einfacher. Jetzt haben wir ja die unsägliche Situation, dass  best- und privatversicherte Patienten ihre Behandlung bei uns selbst bezahlen müssen, weil wir nicht auf irgendeiner Liste sind!

"Traum plus Termin gleich Ziel" heisst eine der poetischeren Management-Maximen: Was also sind ganz bodenständig die unternehmerischen und finanziellen Ziele für die kommenden 10 Jahre?
Ich wünsche mir für die Zukunft: Dass wir wirtschaftlich kerngesund und stabil dastehen; dass wir neue unternehmerische Ziele unstreben und erreichen können. Der Aufbau weiterer Satelliten-Therapiepraxen ist sicher ein zentrales Anliegen.

Es braucht also nicht nur keine neue Vision. Sie müssen auch an den Zielen nichts ändern?
Ja, das stimmt grundsätzlich. Wichtig für die Idee und das Gedeihen der "Spiraldynamik" wird aber auch sein, dass wir genügend und guten Nachwuchs haben. Das bedeutet Nachwuchsplanung. Wir wollen vermehrt Kontakt zu den Hochschulen herstellen, damit die Physiotherapie-Studenten bei uns ihr Praktikum und auch ihren Berufseinstieg machen können. Parallel zur Arbeit können wir sie in der "Spiraldynamik" ausbilden. Später werden sie dann vielleicht an ihrem Herkunfts- oder Wohnort eine Therapiepraxis begründen oder übernehmen, mit einem Teilzeitpensum und unterstützt von unserer Zentrale. Wir sind da in der Tat ganz bodenständig.

Besteht nicht die Gefahr, dass die Spiraldynamik ® «gewöhnlich» wird? Gewisse Ideen werden Allgemeingut und verlieren damit ihre Sprengkraft…
Ja natürlich besteht da eine gewisse Erosionsgefahr. Aber ganz abgesehen davon, dass Ideen nicht schützbar sind: Wir wollen unsere Idee ja gar nicht pachten und dann 20 Jahre breitschlagen! Um Erfolg zu haben, müssen wir besser, schneller und günstiger sein. Und genau dafür haben wir ja die Med Centers und die Akademie. Innerhalb vergleichbarer medizinisch-therapeutischer Institutionen haben wir in Sachen Qualitätsmanagement die Nase vorn. In Sachen Preis/Leistung sind wir gut. In Sachen transdisziplinärer Zusammenarbeit sind wir hervorragend. In vielen Aspekten sind wir innovativ – und haben 5 bis 10 Jahre Vorsprung.

Aus der Sicht der Unternehmenskommunikation haben wir einen sehr guten Ruf, und das heisst: Eine hohe Glaubwürdigkeit. Wir tun unser Bestes, dass sich das so weiterentwickelt. Wir haben es in der Hand, jeder Mitarbeiter. Unsere Glaubwürdigkeit ist direkt an den Nutzen gekoppelt, den unsere Patienten erleben. Und das hängt auch direkt von den Leistungserbringern ab. Darum brauchen wir ein gutes Team zufriedener und engagierter Mitarbeitenden.

Erfolgsentscheidend für die Spiraldynamik® Akademie wird sein, dass wir den Anschluss an mindestens eine Fachhochschule oder Universität finden.

Und dann kommt noch eine Aufwind-Perspektive dazu: Wir müssen über kurz oder lang den Sprung in den englischsprachigen Raum schaffen. Via E-Books und E-Medien. Dann ändert sich die Lage völlig. Hier sehe ich ein gewaltiges Wachstumspotenzial. Im englischsprachigen Indien gibt es, salopp ausgedrückt, eine Million Ärzte. ich weiss aus persönlicher Erfahrung, dass "Spiraldynamik" sie interessiert. Für einen Kursbesuch ist die Distanz dann aber doch etwas zu gross (lacht). Auch das ist natürlich nur eine Frage der Ressourcen.

Wie wird sich die Idee, das Fachgebiet, wie wird sich die "Spiraldynamik" selbst entwickeln? Muss sie sich überhaupt weiter entwickeln?
Der Mensch hat eine natürliche Neugier, eine Tendenz, immer nach dem Neusten zu fragen. Auch Physiotherapeuten fragen immer: Was gibt es Neues? Das ist zutiefst menschlich. Denn das Neue - früher vielleicht lebensrettend - hat heute einen erheblichen Unterhaltungswert! Aber wenn wir unsere Arbeit mit der Nikotin- oder Alkoholprävention vergleichen, dann ist es eigentlich unerheblich zu fragen, was gibt es Neues? Wenn wir den Umsetzungsgrad des Bisherigen anschauen – und der liegt bei wenigen Prozenten –, dann braucht es überhaupt nichts Neues. Um Breitenwirkung zu erzielen, geht es darum, jetzt erst einmal das Bekannte umzusetzen.

Der Nutzen für den Patienten, der nachhaltige Nutzen kommt erst mit der Umsetzung. Mit den Erfahrungen, die wir mit der Umsetzung machen und dem Können, das wir dadurch erwerben, werden wir erst wirkungsvoll. So gesehen ist die "Spiraldynamik" zeitlos. Das Helix-Prinzip wird auch in 100 Jahren noch seine Gültigkeit haben. So gesehen braucht es nicht ständig etwas "Neues".

Was uns allerdings zunehmend beschäftigt, ist die konkrete udn zukunftsfähige Umsetzung unseres Know-how. Ein Beispiel: Viele Menschen hören beim Laufen oder Joggen Musik. Diesen Player könnten wir ganz anders nutzen. Denn beim Joggen, da haben wir den Bewegungsrhythmus, den Atemrhythmus, den Herzrhythmus sowie unsere Gedanken und Gefühle. Wenn es uns gelänge, diese Rhythmen einzufangen (EKG, EEG usw.) und über akustisches Feedback hörbar zu machen, dann  könnten wir über die Bewegung ein Gefühl für die richtigen "Biorhythmen" und deren Synchronisation bekommen. Mit anderen Worten: Wer beim Gehen oder Joggen die Rhythmen von Herz, Lunge, Gedanken und Bewegung harmonisch auf einander abstimmt, hört schöne Musik; wer unharmonisch läuft, bekommt Katzenjammer-Musik in die Ohren gespielt.

Und was fasziniert den forschenden Arzt Christian Larsen als Privatperson? In Ihrem Schlussvortrag zum Thema «Quantenphysik» kam ja eine grosse Begeisterung zum Vorschein. Geht es in diese Richtung weiter?
Ja, da habe ich eine ganz tiefe Faszination. Der grosse Bogen fasziniert mich – vom Grössten des Grossen zum Kleinsten des Kleinen. Ich habe gesehen, dass das Helixprinzip durchgängig wirkt durch alle Dimensionen hindurch, vom Makrobereich einer Spiralgalaxie bis hinein in den Mikrobereich - den Spins von Elektronen etwa. Es lassen sich da vom Grossen zum Kleinen wertvolle Prinzipien ableiten. Es lassen sich Brücken bauen zwischen Makrobewegungen und Mikrobewegung - der Mensch mit seiner Lokomotion steht sozusagen dazwischen. Wir bewegen uns da im Feld von 10 hoch 20 in beiden Richtungen! Im Makrobereich gibt es Gesetze, die wir uns nicht wirklich vorstellen können. Und dasselbe gilt für den Mikrobereich. Ich persönlich möchte gerne die Zusammenhänge besser verstehen.

Zurückgeführt auf den Boden der "Spiraldynamik": Wir wissen heute aus den unterschiedlichsten Richtungen, dass das menschliche Bewusstsein einen prägenden Stellenwert hat. Wenn der biologische Organismus als gigantischer Verstärker von schwachen Signalen begriffen werden kann, dann hat das Konsequenzen für die Therapie. In beide Richtungen: Zum einen dort, wo wir es mit der Intention, also der «heilenden Vision» des Therapeuten oder Arztes zu tun haben. Zu anderen beim Patienten; man denke nur an die möglichen Plazebo- oder eben Nozebo-, also Schadens-Effekte nur schon bei der Lektüre eines Medikamenten-Beipackzettels. Die Intention ist eine natürliche Ergänzung zu Intervention. Beide gehören zusammen wie zwei Seiten einer Münze. Unterschiedliche Intentionen bei gleicher Intervention können völlig entgegengesetzte Wirkungen haben. Ich kann jemandem die Hand reichen, um ihn aus dem Sumpf herauszuziehen – oder um ihn im falschen Moment loslassen …

"Spiraldynamik" als die in den Alltag integrierte Bewegungsqualität – ist dies das grosse Ziel und die grosse Leistung der "Spiraldynamik"?
Die "Spiraldynamik" zeigt einen konkreten Weg, wie ich im Alltag – aktiv und meditativ – qualitativ hochwertige Bewegungen ausführen kann. Wenn ich körperlich mit Kraft, Eleganz und Wohlbefinden durch meinen Alltag bewege, dann hat das einen Einfluss auf all meine Lebensbereiche: Weniger Gesundheitsschäden, bessere Arbeitsfähigkeit, besseres Eigenmanagement und und und… So hätten wir wirklich etwas zur Volksgesundheit beigetragen! ... (denkt nach) Ja, und auch einen aktiven Beitrag zur künftigen Evolution des Menschen geleistet. So schaffen wir auf der epigenetischen Ebene positive Effekte, denn: Unter den heutigen Lebensumständen degeneriert unser Pool an Bewegungsgenen rasch. Dank "Spiraldynamik" können wir ein paar Modifikationen einbauen und unser Erbgut in der Tat positiv beeinflussen.

Das heisst auf die Zukunft der "Spiraldynamik" bezogen: Kontinuität ist angesagt. Der Urknall ist erfolgt – jetzt muss sich das Universum entfalten und ausweiten?
Ja, der Urknall, der muss tatsächlich nicht mehr neu erfunden werden. Die Grundprinzipien sind da. Was ich im kommenden Jahr konkret machen möchte: Mich mit bestehenden Physiotherapie-Konzepten stärker vernetzen. Auch über eine weitere Ausgabe der Ars Medici-Zeitschrift. Das wird vielleicht auch Thema des kommenden Kongresses sein, zusammen mit einer Reihe von Workshops. Austausch und Weiterbildung sind angesagt. Wir leben nicht erst nach dem 21. Dezember 2012 in einem neuen Zeitalter. Das einfältige Konkurrenzdenken ist längst vorbei. Wir haben einen eklatanten Mangel an qualifizierten Gesundheitskräften. Schon darum ist Vernetzung und Zusammenarbeit das oberste Gebot. Wenn wir uns alle gemeinsam weiterentwickeln, sind wir vom Leben beschenkt.

Michael Egloff
28. November 2012