Rotes Fleisch und Krebsrisiko

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medizin | Zu Besuch im Max Planck Institut Göttingen, abends Preisverleihung mit Gala-Diner. Mein Tischnachbar Prof. Harald zur Hausen, Nobelpreisträger. Sein Forschungsgebiet: Rotes Flesich & Krebsrisiko…

Klarer Blick, 81 Jahre jung, leidenschaftlicher Forscher, Nobelpreis Medizin 2008. Wir haben uns intensiv über seinen aktuellen Forschungsschwerpunkt unterhalten, über den Zusammenhang zwischen Fleischkonsum (rotes Fleisch) und Krebsrisiko (Dickdarmkrebs, Prostata, Lunge). Beim Vergleich der Landkarten von Viehwirtschaft und Krebsinzidenz fällt der Zusammenhang sofort ins Auge: Wo viel Rindvieh gezüchtet wird und viel rotes Fleisch gegessen wird, (Europa, Argentinien, Australien…) dort treten obige Krebsarten besonders häufig auf. Der Zusammenhang ist seit langem bekannt. Im Verdacht standen bisher krebserregende Substanzen, die beim Grillen und Braten entstehen. Irrtum! Vermutlich sind es Viren beziehungsweise Bestandteile von Viren. 

Die Virus-Hypothese von Prof. Harald zur Hausen beinhaltet ein paar überraschende Details, die mich zum Nachdenken anregen:

    1. Es gibt Länder mit tiefen Krebsraten trotz hohem Rindfleischkonsum. Die Mongolei zum Beispiel. Des Rätsels Lösung: Rindvieh ist nicht gleich Rindvieh. Es sind die schwarz-weissen hochgezüchteten Rindviecher, die ganz oben auf der Fahndungsliste des preisgekrönten Mediziners stehen. Das Fleisch anderer Rassen, beispielsweise von Zebu- oder Yak-Rindern, bringt kein erhöhtes Krebsrisiko mit sich. Fazit: Nicht das rote Fleisch ist das Problem, vielmehr sind es bestimmte Viren-Bestandteile im Fleisch hochgezüchteter Rinder. Dem Nobelpreisträger und seinem Team ist es gelungen, ein Dutzend solcher Viren-Bestandteile zu isolieren.
    2. Die krebserzeugenden Virenbestandteile finden sich nachweislich auch in Milchprodukten, zumindest in jenen der hochgezüchteten Rinderrassen. Rindvieh ist nicht gleich Rindvieh, Steak ist nicht gleich Steak und Kuhmilch ist gleich Kuhmilch.
    3. Das Zumischen von Kuhmilch im Säuglingsalter scheint besonders problematisch zu sein, denn Babys entwickeln erst im Alter von 12 Monaten einen genügenden Antikörperschutz.

Es gibt viele gute Gründe, auf rotes Fleisch zu verzichten: ethische, ökologische und nun auch gesundheitliche (Hühnerfleisch steht bezüglich okkulter Virenkontamination übrigens nicht auf der schwarzen Liste). Wer nicht auf das Rindssteak verzichten möchte, hält am besten Ausschau nach Alternativen zum gefleckten Holstein-Vieh, achtet auf gut durchgebratenes Fleisch und unterzieht sich alle 10 Jahre einer Darmspiegelung. Schwieriger wird es bei den Milchprodukten, die ja gemeinhin als unbedenklich gelten. Prof. Harald zur Hausen wird nicht darauf verzichten, dafür sei das Infektionsrisiko zu niedrig; Ich habe ihn gefragt: er selbst isst Fleisch (auch rotes) und trinkt Milch.

Fortschritt ist ein zweischneidiges Schwert. Das Plus an Milchertrag geht auf Kosten der Nutztier-Gesundheit und belastet vermutlich, wie wir nun wissen, die natürliche Krebsabwehr des Menschen. Zweitens: Die natürliche Nahrung für ein Baby im ersten Lebensjahr sind Muttermilch und später Zumischung pflanzlicher Breinahrung. Das war während Jahrmillionen so, das gebietet der gesunde Menschenverstand. Kuhmilch in der Babynahrung gibt es erst seit ein paar Tausend Jahren, seit dem Ende der letzten Eiszeit, seit dem jungsteinzeitlichen Aufkommen von Ackerbau und Viehzucht. Damit ist die Kuhmilch «einen Schritt weg von der Natur». Gleiches gilt für die industrielle Rinderhochzucht. Da sind es vielleicht gleich «mehrere Schritte weg von der Natur». Das Natürliche bringt immer den Vorteil der Langzeit-Erprobtheit mit sich. Diesen Faktor «naturerprobt» gilt es in die persönliche und kollektive Gesundheitsstrategie einzubeziehen. Der Mensch kann nur mit der Natur aber nicht gegen die Natur gesund sein und bleiben.

Prof. Jörg Spitz wird am Spiraldynamik Workshop Kongress 11.-12. November bestimmt näheres darüber berichten..

Christian Larsen
16. März 2017, anlässlich der Preisverleihung des BVMW in Göttingen